Read Die verfehlte Schöpfung by E. M. Cioran Online

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Die verfehlte Sch pfung ist eine rasant vorgetragene Attacke auf alle theologisch oder geschichtsphilosophisch verb rgten Sicherheiten, auf die Existenz eines bergreifenden Sinns , auf die Idee der Erl sung....

Title : Die verfehlte Schöpfung
Author :
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ISBN : 3518370502
ISBN13 : 978-3518370506
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Auflage 1 1979
Number of Pages : 126 Seiten
File Size : 783 KB
Status : Available For Download
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Die verfehlte Schöpfung Reviews

  • kpoac
    2019-04-29 16:53

    -Emile M(ichel) Cioran gehört zu den großen Philosophen, die, das was ist, nicht als endgültig betrachten. Er gehört zu den Menschen, für die das In-Frage-Stellen allerhöchste Priorität einnimmt. Über Grenzen zu gehen, heißt lebendig bleiben und doch zeichnet er die Welt jenseits der Grenzen so, dass man erschrickt ob dieser Gedanken und das Leben wie die Schöpfung gern wieder in den Bahnen hätte.I)In "Der böse Demirug" zeigt er, dass der Mensch nicht zum Guten neigt, aber es einen Gott geben muss, der ihn dazu drängt. Doch im Sinne der Schöpfung ist dieser erste Gott ebenso böse, denn nur im Bösen wird die Phantasie reichen, so etwas zu schaffen. Der Mensch, eben Abbild, ist damit ebenso böse und Zeuge dieser Gottheit und über Zeugen der tatkräftige Vermehrer dieses Bösen. Engel sind nun mal kinderlos weil geschlechtslos und damit die Inkarnation des Guten. Die Fortsetzung des Lebens ist damit den Gefallenen vorbehalten, die in einer ohne Freude erschaffenen Welt doch im Genuss zeugen, deren zuvor gehende Wollust just in dem Moment der Ekstase katastrophal in sich einstürzt. Der Mensch erhält seine Kraft aus der Unwissenheit seiner Einsamkeit, in dieser Kraft beginnt er zu glauben, es gäbe keinen Gott und doch fordert sein tägliches Staunen dessen Wirklichkeit. Sich von der Angst vor dem bösen Demiurgen zu befreien, heißt das Staunen bleibt vor neuen Fundamenten, die dazu zwingen, sich einem anderen Schöpfer anheimzugeben.II)"Die neuen Götter" und schon der Plural zeigt, dass einer niemals reicht. Im Schatten verbrauchter Götter kann man frei atmen, daher scheint es gerade oder nur in der Entstehung von Religionen diesen gewissen Zauber gegeben zu haben, dem man gern folgte. Und wie frenetisch war die Begeisterung, wenn ein Einheimischer sich bekehrte. Im Gegensatz zu allen konnte er sich nur hassen und dieser Hass musste später umgeleitet werden, so dass er ansteckte, um die bisherigen Götter gegen den einen auszutauschen. (Diese Geschichte ist die Konstantins und gerade in Trier im Dreier! Pack anzusehen) Und aus Sicht der Römer musste man sich gegen die Juden wenden, waren sie doch diejenigen, die ihr ganzen Bemühen nur einem Gott gaben. Dieser einzige Gott macht das Leben unausstehlich, das katholische Christentum sah dieses ein und erschuf die Heiligen neben der Dreifaltigkeit.Cioran geht auf der Suche nach all den Göttern durch die Geschichte und findet nicht Halt, selbst dort nicht, wo aus dem Geist der Treue gegenüber einem Gott die Verirrten vernichtet wurden. Die Christen, verfolgt und ermordet über 4 Jahrhunderte hinweg, wurden nun selbst zu unerbittlichen Verfolgern und beharrlichen Rächern ihrer Märtyrer. Ein neuer Gott wird auch in Zukunft kein Mitleid kennen, alles auf seinem Wege zermalen, um soviel Raum wie möglich zu gewinnen. Der Mensch ist folgsam, sagt Cioran, egal gegenüber welchem Führer.III)Alle unsere Erfolge einem Gott zuzuschreiben, glauben, dass uns alles gegeben ist, ist nach Ignatius von Loyola das einzige wirksame Mittel gegen Hochmut. Nun, mag das spirituelle Niveau sich heben, der Mensch ändert sich nicht qualitativ, er bleibt begrenzt, da kein Geschöpf in seiner Natur eine höhere Stufe erreichen, ohne dass es aufhörte, zu existieren, bemerkt Aquinus. Will man sich davon befreien, bleibt einem letztendlich nur die Freiheit von dieser Freiheit, man muss alles auf die Stufe des Vorurteils setzen. Man handelt dann ohne zu begehren. Ohne Begehren genießt man die Vorrechte einer Sache oder eines Gottes, und man hängt von niemandem mehr ab. Leuchte für dich selber wie dein eigenes Licht, ist der Ratschlag des indischen Dhammapada.IV)Aphorismen folgen, sie begegnen dem Selbstmord. Wenn man begriffen hat, dass nichts ist, dass die Dinge nicht einmal den Status eines Anscheins verdienen, so hat man nicht mehr nötig, gerettet zu werden, man ist auf alle Zeit gerettet und unglücklich. Vielleicht nur deshalb, weil man zu schwach ist, ohne Ziel zu leben.Weiteres Lesen über Unbefreite und erwürgte Gedanken überlasse ich Ihnen.Damit aber ein Eindruck von Cioran entsteht, ein Auszug aus dem KirchenlexikonCIORAN, Emile Michel: mit rumänischem Namen Emil Mihai C., * 1911 in Rèõinari bei Sibiu (Hermannstadt) im ungarischen Teil der Habsburgermonarchie, heute Rumänien, + 1995 in Paris. Der spätere Philosoph und Essayist ist das zweite Kind des orthodoxen Priesters und späteren Erzbischofs von Sibiu Emilian Cioran und seiner Frau Elvira Comaniciu. - Schon während seiner Zeit als Schüler am Gymnasium »Gheorghe Laz×r« in Sibiu (1920-1928) wird Cioran von anhaltender, zermürbender Schlaflosigkeit geplagt, die einerseits in ihm in Zusammenhang mit einem allgemeinen Unbehagen am Dasein die Obsession des Todes auslöst, ihn andererseits quasi ekstatische Zustände erleben läßt. Ab 1926 beginnt C. mit seiner ersten Phase intensiver philosophischer Lektüre und nimmt 1928 sein Studium der Ästhetik und Philosophie an der Universität Bukarest auf. Seine Schwerpunkte sind Kant, Fichte, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Simmel, Spengler, Husserl, Heidegger, die russischen Spiritualisten und die orientalischen Mystiker. Äußerst unterschiedliche, kulturell divergierende, ihrem Wesen nach jedoch miteinander verwandte philosophische Tendenzen prägen C.s Denken. Die spanische Mystik, das deutsche Mittelalter, die Widersprüchlichkeit des Pascalschen Menschen, die Verzweiflung Kierkegaards, Nietzsches Negativismus und Vitalismus, der russische Spiritualismus, die Endzeitstimmung eines Spengler, Keyserling, Klages oder Barrès, die Lebensphilosophie seines rumänischen Lehrers Nae Ionescu sind dabei nur die wichtigsten Einflüsse. Indem er sich gegen jede Form von Systemen wendet, spricht er einem Individualismus das Wort, das erst im entgrenzten Erleben zu sich selbst findet. Auch wenn C.s Leben und Werk tiefe mystische Züge tragen, entscheidet er sich zwischen den zwei Möglichkeiten, der Verzweiflung angesichts der Erkenntnis philosophisch zu entkommen: der Mystik und dem Skeptizismus, für den letzteren. Dieser Schritt kommt für ihn einem »Erkennen ohne Hoffnung« gleich. Dabei richtet sich sein Skeptizismus nicht allein gegen Sprache, Philosophie, Geschichte und Religion, sondern in einem beinahe selbstzerstörerischen Duktus auch gegen sich selbst. Im Laufe der Jahre entwickelt sich C.s Philosophie auf eine stoische Position zu, deren Mittelpunkt die Beschäftigung mit dem von Leid, Tod und dem Bösen geprägten Dasein des Menschen bildet. Aufgrund seiner Ideen und seiner eigenwilligen Persönlichkeit kann C. als bedeutendster Skeptiker und radikalster Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts angesehen werden.Cioran ist heftig, nicht am Abend zu lesen, schrieb jemand.Was ist er: Er ist der kühnste Belastungszeuge für das Leben.

  • Michael Dienstbier
    2019-05-16 16:45

    …gibt es Demoralisierendes?" (14) Lebensekel, Daseinsverzweiflung, Selbstmord, die Menschheit als missratene Schöpfung eines bösartigen oder unfähigen Schöpfers – Cioran, der 1911 geborene rumänischstämmige Essayist und Aphoristiker, seit 1937 in Paris lebend und nur noch auf Französisch schreibend, war ein großer Pessimist, Existentialist, ein Zweifler und Verzweifler, ein Nietzsche des 20. Jahrhunderts. Ist Hoffnung überhaupt noch eine Option für den Menschen oder eine an Naivität nicht zu überbietende Dummheit? "Man sieht nicht recht, wie die Menschheit als Ganzes zu retten wäre; im Falschen verheddert, einer inferioren Wahrheit hörig, wird sie stets Anschein und Substanz verwechseln" (48) Und doch gibt es in der Gedankenwelt Cioran Hoffnung auf zumindest so etwas Ähnliches wie Erlösung – eine Erlösung, die in dem Verzicht auf alle physischen und metaphysischen Sinnversprechungen besteht: "Der Verdammte sehnt sich nach dem Paradies: dieses Streben erniedrigt, kompromittiert ihn. Frei sein heißt, sich auf ewig von der Idee der Belohnung lösen, nichts von den Menschen noch von den Göttern erwarten, es heißt, nicht nur auf diese Welt und auf alle Welten verzichten, sondern auf das Heil selber, es heißt sogar, seine Vorstellung zerbrechen, diese Kette der Ketten." (63) Viele Fragen ergeben sich aus den Sentenzen Ciorans: Ist der Mensch überhaupt zur Freiheit geschaffen, wenn Freiheit bedeutet, sich von allen Ketten der Sinnillusionen zu verabschieden? Ist diese Art der Freiheit überhaupt erstrebenswert? Lebt es sich nicht viel besser in Ketten gelegt, wenn diese Ketten Hoffnung, Sinn und die Illusion von Freiheit vermitteln? Ist Selbstmord Kapitulation oder das einzig wahre Freiheitsversprechen?"Die verfehlte Schöpfung" – 1979 erstmals veröffentlicht – bestehend aus 6 Abschnitten, mal kurze Aphorismen, mal längere, essayistische Texte, nimmt sofort gefangen. Der Stil ist klar, prägnant, die Gedanken existentialistisch, Grenzbereiche des menschlichen Daseins auslotend. Cioran ist ein Sinnsucher der anderen Art, der sich allen Angeboten verweigert und gerade in dieser Position des Außenseiters, des Geistes, der stets verneint, sein philosophisches Epizentrum gefunden zu haben scheint. Das ist mitreißend und von zeitloser Aktualität!