Read Gedächtnisraum Europa: Die Visionen des europäischen Kosmopolitismus. Eine jüdische Perspektive (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft) by Natan Sznaider Online

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Kosmopolitismus eine gro e Idee mit langer Begriffsgeschichte, die bis zu den Hellenen zur ckreicht, wird wieder aktuell Das Europa des 21 Jahrhunderts definiert sich kosmopolitisch Kosmopolitische Ged chtniskulturen orientieren sich an universalen Symbolen wie der Allgemeinen Erkl rung der Menschenrechte und dem Begriff des Verbrechens gegen die Menschheit Schlagworte, die sich gerade in Europa nach der konkreten historischen Erfahrung des Mordes an den europ ischen Juden als politische Grundbegriffe formierten.Unter Bezug auf die Schriften von Hannah Arendt zeigt der Essay, wie sich zurzeit besonders in Europa eine neue kosmopolitische Sprache und Wirklichkeit herausbildet, die sich ohne R ckgriff auf das j dische Ged chtnis ber den Judenmord definieren will Als j dische Weltb rgerin wollte sich Arendt weder nach nationalstaatlicher Manier integrieren noch blindes Vertrauen in die politische Souver nit t der Nationalstaaten setzen In ihren j dischen Schriften artikulierte sie den Raum, der zwischen dem Dazugeh ren zu einer partikularen politischen Gemeinschaft und der Universalit t der Menschenrechte liegt Mit ihrer Hilfe erschlie t dieses Buch die M glichkeit eines j dischen Kosmopolitismus....

Title : Gedächtnisraum Europa: Die Visionen des europäischen Kosmopolitismus. Eine jüdische Perspektive (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft)
Author :
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ISBN : 3899426924
ISBN13 : 978-3899426922
Format Type : Paperback
Language : Deutsch
Publisher : transcript Verlag Auflage 1 1 April 2008
Number of Pages : 156 Seiten
File Size : 766 KB
Status : Available For Download
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Gedächtnisraum Europa: Die Visionen des europäischen Kosmopolitismus. Eine jüdische Perspektive (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft) Reviews

  • Yvonne de Andrés
    2019-04-08 23:03

    Wer heute über die Zukunft Europas schreibt, tut dies meist im kritischen Rückblick auf dessen nationalistischen Traditionen. Ein Europa der universellen Werte und der gleichen Rechte für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion wird anvisiert. Das zukünftige Europa wird gewissermaßen im Geiste seiner eigenen Tradition, der Aufklärung, neu erfunden.Natan Sznaider stellt in seinem ausgezeichneten neuen Essay die These auf, dass dies noch nicht genug ist. Die Erfahrungen von Juden in Europa zeigen, dass Antisemitismus, Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung, trotz Aufklärung, trotz der Idee der gleichen Rechte, weiter existierten.Ein wesentliches Essential der Aufklärung, nicht nur in Deutschland, war, dass Juden nur dann in den Genuss der gleichen Rechte kommen sollten, wenn sie ihre Identität als Juden aufgaben. Ein Europa der Zukunft, dass diese Erfahrung nicht ernst nimmt, grenzt nicht nur Juden in der Erinnerung und in der Zukunft aus, es wird auch den Gefahren einer unvollkommenen Moderne, denen es in seiner Geschichte mehrfach zum Opfer gefallen ist, nicht entgehen können.Natan Sznaider diskutiert in seinem Buch Stellungnahmen, Kontroversen, Literatur, Kunst u.a., die um das Thema Europa nach dem Nationalsozialismus kreisen. Er spannt den Bogen von 1933 bis in die Gegenwart. Er nimmt den Leser nicht nur auf eine Reise durch die Gedankenwelt und die Überlegungen kritischer Geister wie Hannah Arendt, Walter Benjamin, Franz Kafka, Raphael Lemkin u. a. mit, es ist auch eine Reise an Orte und wichtige Ereignisse: Königsberg, Nürnberg, Moskau, Jerusalem, Zürich, Genf, Warschau und Paris.Die Geburt des neuen kosmopolitischen Europa entdeckt Sznaider besonders in der Rechtsprechung des Nürnberger Prozesses. Dort urteilten die Alliierten über "Verbrechen gegen den Frieden", "Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" – wie Hannah Arendt und Karl Jaspers später korrigierten: "Menschheit". In der Erinnerung an diese Verbrechen kann Europa seine Zukunft neu formulieren. Der Nationalsozialismus und seine Verbrechen sind die Negativfolie der europäischen Zukunft.Allerdings, und eben das ist die große Leistung des Essays von Sznaider, wird die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten verkürzt, werden sie einfach nur als Verbrechen gegen wesentliche Errungenschaften der Menschheit gedeutet. Schließlich ging es vor allem und ganz besonders um die Auslöschung der Juden. Wer in der Erinnerung - so Sznaider - die Verbrechen aus diesem Kontext löst, wird auch für die Zukunft eines kosmopolitischen Europa, entscheidende Fallen übersehen. Nicht nur wird er die berechtigten Forderungen nach Anerkennung und Respektierung einer jüdischen Identität, als rückwärtsgewandt und antimodern qualifizieren, er wird das Beharren auf Partikularität überhaupt, auf einer spezifischen Tradition, Religion und Kultur als per se fortschrittsfeindlich ansehen.Ein neuer europäischer Kosmopolitismus wird also einnerungspolitisch, die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht nur als Verbrechen gegen die Menschheit universalisieren dürfen, er wird ihren spezifischen Charakter, den Versuch der deutschen Nationalsozialisten die Juden dieser Welt vollständig zu vernichten, mit im Auge behalten müssen. Darüber hinaus kann die Zukunft Europas ohne die spezifische jüdische Erfahrung in Deutschland und Europa nicht neu formuliert werden. Erst wenn wir erkennen, dass neben der Idee der Gleichheit aller Menschen auch die der Freiheit eines jeden Menschen, sei er Jude, Christ, Muslim oder Atheist wesentlich ist, kommen wir einer kosmopolitischen Zukunft Europas näher.Die wesentliche Frage, die sich ein neuer europäischer Kosmopolitismus stellen muss, lautet nach Nathan Sznaider: "Wie löst man die Spannung zwischen partikularer Identität und allgemeinen Werten? Wie jüdisch waren Kafka, (…) Benjamin und Arendt?" Der Autor hat auch bereits eine Antwort parat, sie lautet: "Wer sich der Antwort auf diese Fragen verweigert, hat den jüdischen Kosmopolitismus verstanden".